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Die Platin Singles - Iron Henning
Welch ein kool-kecker Album-Titel! So macht man Headlines. Heute haun wir auf die Pauke!, dachten sich Iron Henning und geben ihr Bestes. Sieben Smash-Hits, die Klassiker der letzten 30 Jahre! Stücke ihrer vier ständig vergriffenen Singles plus bisher unveröffentlichtes Material. Für alle Stadiongänger gibt´s hier den Soundtrack zum Aufstieg vom 1.FC Union Berlin ("Union"). Pop, Fußball, Bier!
electric galenza auf fritz.de
Besser als der Rotfront- Kämpferbund
Iron Henning spielten in der Kulturbrauerei
von Karsten Krampitz
(Berliner Zeitung Nr. 198 - August 2001)
Das Musikgeschäft ist doch verlogen. Die meisten Künstler singen von "Sex and Drugs", sind dabei nicht selten verheiratet und trinken heimlich Mineralwasser. Von der Bühne herab simulieren sie Sympathie mit den Fans. Nicht jedoch Iron Henning, die sind ehrlich: "Ihr seid nichts und wir sind Götter!" Bei der einen Publikumsbeschimpfung ist es nicht geblieben an diesem Abend in der Alten Kantine der Kulturbrauerei. Gerade erschien das neue Album. "Die Platin-Singles" mit den größten Hits, wie es in der Presseankündigung heißt, "teilweise noch unveröffentlicht!"
Der Titel spricht für sich, und die Herren Künstler hatten es nicht nötig, dafür zu werben. Mit satten sechzig Minuten Verspätung begannen sie am Donnerstag ihr Konzert, nach eigenem Bekunden: "Tandradei mit Schmackes, gemischt mit Rock n Roll" - so als hätten Nirvanas Kurt Cobain und Roy Black posthum eine Band gegründet. Eine Synthese aus Grunge und Schlager "im Wechselspiel der Emotionen als Allegorie auf das eigene Leben".
Dabei begnügt sich Iron Henning nicht mit Geschichten von Liebe und Abschied à la "Ich bin kein Mann für eine Nacht" oder "Stell dich nicht unter, wenn s Rosen regnet". Es sind andere Fragen, die den Sänger bewegen. "In welcher Stadt war 1985 die Weltausstellung?" Oder: "Mit welcher rumänischen Spitzensportlerin war Ceausescu jr. dereinst liiert?" Die richtige Antwort wäre mit den "Platin-Singles" belohnt worden. Das Publikum aber hatte keine Ahnung und Iron Henning nichts zu verschenken. Außer einem "Jesus liebt dich!"-Aufnäher - jemand wusste tatsächlich, wer der amtierende spanische Fußball-Pokalsieger ist.
In wechselnder Besetzung spielen Iron Henning seit 88. Schon zu DDR-Zeiten ein Geheimtipp, bei dem es langsam Zeit wird, sich herumzusprechen. In Berlin gibt es wohl keine andere Band, die sich derart konsequent dem kommerziellen Erfolg verweigert. Das letzte Album, "Asche und Diamant", hatte durchaus chartverdächtiges Material anzubieten. Die unglückliche Covergestaltung aber wusste dies zu verhindern - Urlaubsfotos von einer katholischen Osterprozession, die allerdings eher an den Ku Klux Klan erinnern als an Spanien. Dabei fehlt es im Repertoire nicht an politischen Bekenntnissen. Die Ballade "Der kleine Trompeter" hätte seinerzeit der Rotfrontkämpferbund nicht besser darbieten können. Auf der neuen CD findet sich das Arbeiterlied gleich in zwei Versionen. Folglich wurde es auf dem Konzert auch doppelt gespielt.
Alles in allem eine gelungene Show mit viel Stromgitarre und kreischendem "yeah, yeah, yeah". Iron Henning - eine Beatcombo, die sich nicht mit Äußerlichkeiten aufhält. Unter lautem Jubel des Publikums entledigte sich der langhaarige Sänger seiner Kleidung. Nach zwei Stunden und mehreren Zugaben lagen von ihm eine Winter- und eine Windjacke auf der Bühne, zudem zwei Pullover und etliche T-Shirts, ohne dass der Frontmann sich völlig entblößt hätte. Das Konzert habe ihm "relativ viel Spaß gemacht" verabschiedete er sich schweißgebadet. Den Rufen, sich völlig "nackig" zu machen, wollte er allerdings nur backstage nachkommen.
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