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Leseprobe VIETNAM FALKPLATZ
Wie zur Begrüßung geschickte Pioniere wirkten sie. Zwei junge Mädchen mit Zöpfen, die im Summen der feuchten Glut hinter ihrem winzigen Stand hervortappten. Die schwarzen Ponnies wellten sich über glatten, wie Porzellan gegen den grünen Himmel stehenden Stirnen. Und sie lächelten und lachten, boten mir zu trinken an, versprachen mir lange Briefe und eine rosige Zukunft. Daß doch alles gut würde, dachte ich, als der hellgrüne Zug einfuhr. Mein Herz schlug eifrig, ich sonnte mich allein in der Vorstellung, aus dem hölzernen Rechteck heraus zu schauen. Mit zugekniffenen Lidern und einem eigentümlich steifen Mund, der doch lächeln würde. Die Ventilatoren standen still, jeder schaute in eine andere Richtung, auch ihre runden Gitter waren grün gestrichen. Tropfen hingen dort, eingefroren in der Bewegung. Sie konnten uns nicht mit ihrem Unrat bespritzen, bange hielten sie sich im Grün, konnten weder mich mit den steifen Lippen noch die geschäftige Fremde treffen, die mir große Pakete und Taschen unter die Holzbank schob, dann verschwand, ohne meine gelb getrockneten Augen zu treffen. Daheim war noch Frieden. Es gab nicht die weiß und schnittig gekleideten Truppenverbände, die in lärmenden Grüppchen ihnen vorbehaltene oder noch ungewisse Gebiete durchkämmten. Deren Neugier als Echo zersplitternden Glases durch eingeschüchtert schlafende Schluchten voraus hallte, wenn sie, schon stinkend aus ihren Stäben kommend, mit entzündeten Augen schief in die trüben Laternen starrten. Die nicht wußten, was ein Mensch ist, nur das Ich kannten. Für die alle anderen nur ein Ding waren. Die nicht töten wollten, nur sehen, wie es ist. Es war auch noch niemand verschwunden. Nur Nöte oder die Sehnsucht nach Einsamkeit trieb so viele, auch die Jungen und die Guten davon. Sie rochen in die Luft hinein, mit der sinnlichen Akribie von Blinden, Jahre vor dem Wolkenbruch spürten sie die Veränderung, schlossen die gerunzelten Fenster. Hielten die rauhen Hände vor die Augen ihrer Kleinen, die ganz rot von Mohrrüben auf dem Stuhl standen, vor den Kannen aus Emaille, Brettern aus rundem Holz und den Zöpfen aus Knoblauch. Vor der Brücke sagten die Chinesen mir, ich solle mir noch überlegen, ob ich herüberginge. Dann wünschten sie mir Glück und sagten, ich könnte nun nicht mehr wiederkommen. Henning Rabe: VIETNAM FALKPLATZ Verlag Distillery Press Berlin 2006 66 Seiten, Glanzbroschüre EURO 5,00 bestellen PRESSESTIMMEN: >>Rabe nimmt uns in "Vietnam Falkplatz" mit auf eine bizarre Reise in eine ungewisse, feuchte Hitze und eine konkrete, eisige Kälte. Sehr schön, sehr dicht.<< Ronald Galenza (Redaktion Radio Fritz) Tip Berlin schreibt: >>Mal melancholisch, mal amüsant schreibt er über einen reisenden Ich-Erzähler, für den Orte... und Menschen wie in einer Traumsequenz miteinander verschmelzen. Das Resultat sind wahnsinnige Gedankensprünge.<< |
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